Sonntag, 7. März 2010 14:50
Der Wunsch, die eigene Seite ganz oben in den Listen der Suchmaschinen vorzufinden, ist weniger der Eitelkeit geschuldet als der Sehnsucht nach wirtschaftlichem Erfolg. Interessenten machen sich nur selten die Mühe, bis zur letzten Seite der Ergebnisse zu blättern. Will man also die Aufmerksamkeit stöbernder potenzieller Kunden erwecken, scheint es ratsam, so schnell wie möglich ins Blickfeld zu geraten. Damit genau das geschieht, gibt es Möglichkeiten, die Homepage so zu gestalten, dass Suchmaschinen sie bevorzugt erfassen. Zu diesem als Suchmaschinenoptimierung oder SEO bezeichneten, so mysteriös klingenden Ziel führen hauptsächlich drei Wege: die Gliederung der Seite, die Textlänge und der Textinhalt.
Was sich in der Beschreibung noch immer recht kryptisch anhört, ist eigentlich gar nicht so schwierig: je verschachtelter die Seite gegliedert ist, je länger der Text ausfällt und je häufiger sich bestimmte Begriffe, Ausdrücke und ganze Satzsequenzen wiederholen, um so höher steht die Seite im sogenannten Ranking.
Nach rein stilistischen Maßstäben sollte die Gliederung eines Textes in erster Linie Sinnabschnitte von einander trennen und dadurch die Klarheit und Lesbarkeit des Inhalts unterstreichen und verdeutlichen. Die Frage stellt sich also, wie beide Ansätze in Verbindung gebracht werden können.
Am Beispiel der Homepage www.textloft.de lassen sich Sinn und Zweck einer Suchmaschinenoptimierung am besten in der Praxis erklären.
Betrachtet man die Seite, fällt es nicht schwer, auf Anhieb die nötigen Informationen zu finden. Die Startseite erklärt, wie Namensgebung und Unternehmensziel zu verstehen sind. Die anderen Menüpunkte klären der Reihe nach in jeweils 10 bis 12 Zeilen die Fragen des Angebots, des Kundenkreises, der Preisgestaltung und der Qualitätsauffassung, und vermitteln die gesetzlich und kaufmännisch notwendigen Angaben, schließlich folgt ein Link zu diesem Blog. Optisch ist die Gliederung wie folgt zusammenzufassen:

Wäre diese Seite für Suchmaschinen optimiert, könnte bzw. müsste die Gliederung in etwa so aussehen:

Eine solche Gliederung ist so detailliert, dass sie mit dem eigentlichen Firmenkonzept von TextLoft überhaupt nicht vereinbar ist. Sie ist nicht Stimmungsbild, sie ist Ansammlung von Selbstverständlichkeiten. Sie zeigt weder, dass TextLoft zu prägnanten, klaren Texten fähig ist, noch vermittelt sie den Eindruck puristischer Strukturen, die für Namensgebung und Firmenidee Pate gestanden haben. Ganz im Gegenteil. Hier wird keine Ordnung in Gedanken und Informationen geschaffen, hier wird zu Tode zerstückelt.
Eine so aufgebaute Homepage würde sich in den Rankings recht weit oben finden – auf Kosten des Sinns des Unternehmens, der in diesem verworrenen Geflecht regelrecht erstickt würde.
Dieses Gerüst wäre dann mit entsprechenden Inhalten zu füllen, die ebenso der SEO zuliebe so ausführlich wie möglich sein sollten. Anstatt zehn Zeilen zu lesen, müsste sich der Besucher durch etwa dreißig Zeilen für jeden einzelnen Punkt regelrecht quälen, ohne letztlich überhaupt mehr Inhalt erhalten zu haben.
Dabei müssten sich die Begriffe “Texter”, “Textarbeit”, “PR-Arbeit”, “Imagetexte”, “Qualität” und noch einige mehr so oft wie möglich wiederholen.
Das krampfhafte Einbauen festgelegter Satzsequenzen hat mit Kreativität wenig zu tun. Es ist eher “Malen nach Zahlen”, oder “nach Bausatz zusammenbasteln”: Für den Laien eine nette Möglichkeit, sich ein “künstlerisches” Erfolgserlebnis zu verschaffen – für professionelle Künstler oder seriöse Architekten gehören solche Aufgaben nicht zum Berufsbild.
Dass Wiederholungen in einem Text grundsätzlich als Schwäche zu betrachten sind, lernt jedes Kind spätestens beim Schulaufsatz. Und auch wenn sie sich in der Praxis nicht immer verhindern lassen oder thematisch manchmal sogar notwendig sind (etwa die Begriffe “Text” oder “SEO” in diesem Artikel), können sie kaum als erstrebenswert aufgefasst werden. Doch genau darin besteht SEO-Arbeit: in der künstlichen, zwanghaften und bewussten Einfügung ständiger Wiederholungen, die wie lauter hysterisch geschwenkte Wimpel die Aufmerksamkeit eines jeden erwecken sollen. Wer so bedingungslos im Mittelpunkt stehen will, hat entweder tiefe persönliche Probleme, oder er weiß einfach, dass er mit mehr nicht zu beeindrucken vermag – erst recht nicht mit den eigenen Werten. IT-Girls aller Art sind hierfür ein perfektes Beispiel.
Im Grunde und trotz der rätselhaften Aura, mit denen sich SEO-”Fach-”leute gerne umgeben, um die eigene Existenz zu begründen, ist das System leicht zu definieren: SEO bedeutet Masse statt Klasse.
Es geht darum, die Aufmerksamkeit des Mainstreams zu erregen, und das um jeden Preis, wie IT-Girls es eben tun. Einfachheit, quantitative Übersättigung und bedingungslose Anbiederung sind die Instrumente. In Antinomien ausgedrückt stehen auf der einen Seite die Boulevard-Zeitungen und die Lebensmitteldiscounter, auf der anderen der kleine feine Buchladen und das Feinkostgeschäft.
Stilistische Kriterien, nach denen ein Text als hochwertig angesehen werden darf, sind in erster Linie eine leicht erfassbare und logisch aufgebaute Gliederung, eine differenzierte, niveauvolle Sprache, systematische Prägnanz und Kontextbezogenheit. Künstlich herbeigeführte Verschachtelungen und Verlängerungen gehören nicht dazu, bzw. stehen in krassem Gegensatz dazu.
Wer seine Homepage so gestalten will, dass die breite Masse angesprochen wird, sollte das tun. Es ist ein legitimer und wirtschaftlich nachvollziehbarer Ansatz. Dass man damit reich werden kann, beweist die BILD-Zeitung jeden Tag aufs Neue, und auch die IT-Girls blicken auf prall gefüllte Bankkonten.
Dazu sind keine sorgfältig in Harmonie gebrachten Töne, keine Subtilität, kein Feingefühl nötig. Die quantitative Keule und ausreichend Gemeinplätze genügen hier völlig. Die Aussagen sind in der Zahl überschaubar, im psychologischen Sinne des Wortes schlicht, und sie werden so lange wiederholt, bis auch wirklich jeder sie gehört und verstanden hat.
Hierfür ist SEO-Arbeit ideal. Wer sich etwa auf dem Markt der Unterhaltungstechnik an den Endverbraucher wendet oder in den Bereichen Autoindustrie, Metallverarbeitung, Maschinenbau oder Finanzdienstleitung tätig ist, tut sicher gut daran, eine Ansprache zu wählen, die diesen Zielgruppen textlich entspricht.
Wer auf SEO Wert legt, würde in den Gelben Seiten vergleichsweise eine Firmierung wählen, die mit “A” oder “1″ beginnt, und das größte überhaupt mögliche Anzeigenformat wählen, damit der Platz am Anfang der Branchenliste auf jeden Fall gesichert ist – Auffallen ist Trumpf, koste es, was es wolle. Es gibt tatsächlich Firmen, die genau das tun.
Das Unternehmensziel von TextLoft ist es, imagegründende sowie bilder- und stimmungerschaffende Texte anzubieten, die man regelrecht sinnlich erfassen und erleben kann. Der Vergleich mit Innenaustattern und der Luxusindustrie wurde in diesem Blog und in den Pressekampagnen im Überfluss bemüht, denn er macht am besten deutlich, was TextLoft anbietet und was nicht.
Es ist im TextLoft nicht Firmenpolitik, für Geld Texte aller Art für jeden Bedarf und jede beliebige Zielgruppe und auf jedem noch so niedrigen Niveau zu schreiben.
TextLoft wendet sich an Kunden, die über ihre Texte demonstrieren wollen, wer sie sind, die ihre Einzigartigkeit im Vergleich zum besagten Mainstream als Kriterium des Selbstverständnisses auffassen, und deren Wunsch es ist, gezielt und präzise ganz bestimmte Interessentengruppen auch durch einen qualitativ ungewöhnlichen Text für sich zu gewinnen, indem sie in deren Köpfen bestimmte Bilder und Assoziationen hervorrufen.
TextLoft malt nicht nach Zahlen und bastelt keine fertigen Bausätze zusammen. Das kann schließlich jeder.
TextLoft betätigt sich nicht in der Förderung von IT-Girls.
TextLoft komponiert Vorstellungen und Erlebniswelten, kreiert Atmosphären und Lebensrahmen, erschafft auf der sichtbaren Ebene des Textes die Geschäftsidee neu.
TextLoft geht es nicht darum, das zu schreiben, was viele andere auch schreiben könnten, und damit viel Geld zu verdienen.
Es geht um die Erbringung einer einzigartigen, maßgeschneiderten Leistung. Aus diesem Grunde lehnt TextLoft SEO-Aufträge trotz ihres unbestrittenen finanziellen Reizes grundsätzlich ab.
Es geht um Textethik und Treue zu stilistischen Qualitätsprinzipien.
Es geht um Selbsttreue.